01. März 2017 | Marketing | Exklusiv

#Toleranz schmeckt: Farbe zeigen gegen den Rechtsruck

Wer auf dem heiß umkämpften Markt mit Cola-Getränken eine Nische erobern will, braucht zündende Ideen. Aydin Umutlu zeigt, wie sich politische Botschaften mit leckeren Erfrischungen kombinieren lassen. Und er lässt auch angesichts des möglichen Rechtsrucks in Deutschland nicht locker.

Alles begann im Jahr 2012. Thilo Sarrazin verbreitete in Talkshows und in Veröffentlichungen seine umstrittenen Thesen. Eines Abends ärgerte sich Umutlu wieder über die Äußerungen. „Man müsste irgendwas machen“, dachte er sich, „etwas, womit man Aufmerksamkeit erzeugt und Sarrazin Paroli bieten kann.“ Kaugummis oder Fladenbrote eignen sich schlecht, um Botschaften zu transportieren. Schließlich hatte er zusammen mit seiner Frau die Idee, ein Colagetränk zu entwickeln. Seine Message: „Toleranz schmeckt.“

Das Ergebnis: ein Getränk mit weniger Zucker und weniger Kohlensäure, was zu einem anderen Geschmackserlebnis führt. Bewusst spielt Umutlu mit dem Namen Ali-Cola und verwendete als Key Visual einen – wie er sagt – „Klischee-Türken“. Schnauzbart, Käppi und Kragen dürfen nicht fehlen.

Farbe zeigen gegen den Rechtsruck

Seither hat sich viel getan, doch die politischen Misstöne werden wieder laut. Auch im Jahr 2017 will Umutlu Menschen aufrütteln. Deutschland wählt den 19. Bundestag, und viele Beobachter erwarten durch die AfD einen Rechtsruck. Zeitgleich schockiert Donald Trump die Welt mit Einreiseverboten. Deshalb setzt der Unternehmer ein auffälliges Zeichen.

Sein Getränk gibt es jetzt in sechs verschiedenen Nuancen, sprich Hautfarben – von transparent bis weiß. „Sie sind alle gleich, nur von außen sind sie verschieden. Wie wir Menschen“, sagt der Firmengründer. „Ich will damit zeigen, dass Rassismus fehl am Platz ist.“ Oder: „Cola in Hautfarbe gab es schon immer – nur eben nicht in deiner.“

Marketing über Social Media

Bei der Umstellung auf Hautfarben wurde Umutlu von der Hamburger Agentur Loved unterstützt. Für Ali-Cola kreierte sie ein Kommunikationskonzept mit eigener Identität und ganz speziellem Erscheinungsbild. „Die Cola in Hautfarben ist keine Special Edition, sondern ein innovativer Produkt- und Marken-Relaunch“, berichtet Loved.

Alle Botschaften sind provokativ und sollen aufrütteln, respektive auffallen. Einige Highlights: „Wie nennt man eine helle Cola?“ – „Cola, du Rassist.“ Oder: „Hautfarbene Cola?“ – „Warte, bis wir die schwule Cola rausbringen.“ Und nicht zuletzt: „Müssen Menschen weiß und Colas schwarz sein?“ – „Eben.“

In Social Media schlagen die Texte hohe Wellen. Unter dem Hashtag #toleranzschmeckt twittern Fans über das Produkt. Auf Instagram verbreiten sie ausgefallene Schnappschüsse. Das macht sich auch beim Umsatz bemerkbar. Im letzten Jahr hat Umutlu etwa 100.000 Flaschen Ali-Cola ausgeliefert.

 

Lesen Sie mehr dazu in Verpackungs-Rundschau 4/17

 

 

Galerie

mvdh

nach oben drucken RSS-Feed