07. Februar 2017 | Wirtschaft

Konformität und Mineralölrückstände

Hersteller und Verwender von Kosmetikverpackungen müssen zahlreiche Informationen über Herstellung und Inhaltsstoffe der Verpackungsmaterialien zusammenstellen. Diese „Konformitätsarbeit“ ist aufwendig und erstreckt sich zumeist auf alle Schritte in der Herstellerkette. Im Januar 2017 bot ein Fresenius-Praxistag in Mainz die Gelegenheit, die Grundlagen der Konformitätsarbeit an konkreten Fallbeispielen zu trainieren.

Während für Lebensmittelverpackungen konkrete und detaillierte Regelungen zur Konformitätsarbeit existieren, gebe es diese für Kosmetikverpackungen derzeit nicht. Die Experten empfahlen auf dem Fresenius-Praxistag, sich an Regelungen und Prüfungen der Lebensmittelbranche zu orientieren.

Zugleich mahnten sie zur Vorsicht: Christophe Goldbeck vom Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt Münsterland-Emscher-Lippe wies darauf hin, dass Simulanzien aus dem Gebiet der Lebensmittelverpackungen, die für Migrationsuntersuchungen eingesetzt werden, nicht alle Eigenschaften von Kosmetika nachbilden können. Als Beispiele nannte er alkalische Kosmetika oder Oxydationsfarben.

In der Diskussion: Mineralrückstände in Kosmetikverpackungen

Die Experten und Teilnehmer diskutierten auch die Kontamination von Kosmetika-Verpackungen mit sogenannten MOSH (Mineral Oil Saturated Hydrocarbons). In der Lebensmittelbranche wird die Frage des potentiellen Übergangs von Kohlenwasserstoff-Verbindungen, die von Mineralölen herrühren, intensiv diskutiert. Für die Kosmetikindustrie ist das Thema weniger akut. Noch sei nicht ausreichend bekannt, ob diese Stoffe über die Haut aufgenommen würden. Thomas Gude von SQTS Swiss Quality Testing Services wies darauf hin, dass Hautpflegeprodukte auf Mineralölbasis seit Jahrzehnten eingesetzt werden, ohne dass gesundheitliche Probleme damit in Verbindung gebracht würden.

Trotz vieler ungeklärter Fragen rieten die Experten den Unternehmen der Kosmetikindustrie, in Sicherheit und Konformität zu investieren. So betonte Thomas Gude, dass sich Haftungsrisiken nur durch umfassende Abstimmung und Information in der Lieferkette vermeiden lassen. Er rät allen Herstellern, die eigenen Sorgfaltspflichten angemessen einzuschätzen und Vorkehrungen genau zu dokumentieren: „Auch wenn ein Hersteller keine Konformitätserklärung abgegeben muss, sollte er die gesetzlichen Vorgaben einhalten – so schwammig diese auch sein mögen!“

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