22. Mai 2019 | Recycling

Nachhaltige Rohstoffe und Verpackungen im Finale

Beim renommierten Europäischen Erfinderpreis des Europäischen Patentamtes (EPA) werden Innovationen in fünf Kategorien, die einen Beitrag zum technischen Fortschritt, zur gesellschaftlichen Entwicklung, zum wirtschaftlichen Wohlstand und zur Schaffung von Arbeitsplätzen leisten, ausgezeichnet. Zwei der Finalisten haben Lösungen erfunden, die das Recycling erleichtern und natürliche Rohstoffe für Verpackungen nutzen.

Die Gewinner des jährlichen Innovationspreises des EPA werden 2019 im Rahmen einer Galaveranstaltung am 20. Juni in Wien bekanntgegeben.

Innovative Gegenstromtechnologie

Aus Plastikmüll wird Rohstoff: Klaus Feichtinger und Manfred Hackl (v.l.n.r.) als Finalisten für den Europäischen Erfinderpreis 2019 nominiert
Aus Plastikmüll wird Rohstoff: Klaus Feichtinger und Manfred Hackl (v.l.n.r.) als Finalisten für den Europäischen Erfinderpreis 2019 nominiert
Quelle: Erema, Europäische Patentamt (EPA)

Das Recycling von Kunststoffen muss aufgrund des neuen Verpackungsgesetzes zwingend Fahrt aufnehmen. Zu diesem Zweck haben Klaus Feichtinger und Manfred Hackl, ehemaliger und derzeitiger CEO von Erema, die „Counter-Current“-Technologie erfunden. Für diese wurden die beiden Erfinder als Finalisten des Europäischen Erfinderpreis 2019 in der Kategorie „Industrie“ bekanntgegeben. Früher drehte sich das Kunststoffgemenge im Schneidverdichter und die Wellenschnecke im Extruder in derselben Richtung.

Counter-Current-Technologie

Die „Counter-Current“-Technologie kehrt das Prinzip um und bewegt das Material entgegengesetzt zum Durchfluss des Extruders. Dadurch könne der Extruder in kürzerer Zeit mehr Kunststoff bewältigen. Darüber hinaus sei die Verarbeitung auch bei niedrigen Temperaturen möglich. Das führe insgesamt zu mehr Durchsatz in der Produktionslinie und zu besserer Qualität. Die Technologie steigere die Produktivität und ermögliche auch bisher nicht verwertbaren Abfall zu nutzen, beispielsweise stark bedruckte Kunststofffolien von Konsumgüterverpackungen.

Mit Pilzen ökologische Verpackungen züchten

Mit Pilzen ökologische Verpackungen züchten: Eben Bayer und Gavin McIntyre (v.l.n.r.) als Finalisten für den Europäischen Erfinderpreis 2019 nominiert
Mit Pilzen ökologische Verpackungen züchten: Eben Bayer und Gavin McIntyre (v.l.n.r.) als Finalisten für den Europäischen Erfinderpreis 2019 nominiert
Quelle: Ecovative Design, Europäische Patentamt (EPA)

Gänzlich vom Kunststoff abgewandt ist die Erfindung der US-Maschinenbauingenieure und Produktdesigner Eben Bayer und Gavin McIntyre. Die beiden sind als Finalisten für den Europäischen Erfinderpreis 2019 in der Kategorie „Nicht-EPO-Staaten“ nominiert. Damit wird ihre Erfindung eines robusten und ungiftigen Materials gewürdigt, das aus dem Fadengeflecht von Pilzen (Myzel) gewonnen wird und eine nachhaltige Alternative zu Kunststoffen und Polystyrolschäumen biete. Das umweltfreundliche Material wird über Ecovative Design vermarktet und als flexible, anpassungsfähige und biologisch abbaubare Substanz für u.a. Verpackungen, Baustoffe oder Textilien genutzt.

Vielseitig einsetzbar

Generell könnten fast alle landwirtschaftlichen Abfälle, wie Maisblätter, Reishülsen oder Nutzhanffasern mit Myzel als Klebstoff verbunden werden. Das daraus entstandene Material könne in nahezu jede Form gebracht werden. Daraus resultiert ein geformtes, ungiftiges und belastbares Material, das frei von Pilzsporen sei. Es wird getrocknet und bei konstanten Temperaturen gebacken, um es biologisch inaktiv zu machen. Die Pilze könnten sich dann nicht mehr vermehren. Innerhalb von 45 bis 180 Tagen sei das Material biologisch abgebaut.

Redigiert von Thobias Quaß

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