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Grüne Zeiten am PoS

Ohne nachhaltige Lösungen werden es Hersteller in Zukunft schwer haben, sich zu positionieren. Viele setzen daher auf nachwachsende Rohstoffe und verbannen zunehmend erdölbasierte Kunststoffe.

Deutschlands Verbraucher produzieren pro Jahr rund 18,2 Millionen Tonnen Verpackungsabfälle, Stand 2015. Experten führen den laut Umweltbundesamt "bisher höchsten Wert" auf veränderte Lebensbedingungen und die damit verbundenen Verzehr- und Konsumgewohnheiten zurück. Lebensmittel "to go" oder Kaffeekapseln gelten als große Herausforderungen, nachhaltiger zu handeln.

Kompostierbare Kaffeekapseln

Dr. Oliver Knop, GF Lavazza Deutschland und Österreich
Dr. Oliver Knop, GF Lavazza Deutschland und Österreich
Quelle: Lavazza

Nicht nur Fast-Food-Ketten haben bei kritischen Verbrauchern ein schlechtes Image. Kapseln für Espressomaschinen sind aufgrund wachsender Müllberge ebenfalls in Verruf geraten. "Die Lavazza-Gruppe ist sich ihrer Verantwortung gegenüber der Umwelt bewusst und hat sich seit langem der Nachhaltigkeit verschrieben", sagt Dr. Oliver Knop. Er ist Geschäftsführer von Lavazza Deutschland und Österreich. Sein Konzern investiere regelmäßig in umweltfreundliche Lösungen, gerade bei Verpackungen. "So ist Lavazza beispielsweise einer der ersten Hersteller, der kompostierbare Lösungen für Portionsverpackungen (Kapseln) entwickelt hat." Knop verweist in dem Zusammenhang auf Nachhaltigskeitsziele der Agenda 2030 der Vereinten Nationen, denen sich auch sein Konzern verschrieben hat.

Zitat

Wir sind einer der ersten Hersteller, der kompostierbare Lösungen für Portionsverpackungen entwickelt hat.

Dr. Oliver Knop, GF Lavazza Deutschland und Österreich

Essbare Beschichtungen

Nicht immer läuft alles nach Plan, mitunter kommen Innovationen durch Zufall. Dazu ein Blick in die USA: James Rogers ist Materialforscher. Noch vor wenigen Jahren hatte er mit Verpackungen kaum Kontakt, las aber immer wieder über Probleme beim Transport von Lebensmitteln. Rogers sammelte 42 Millionen US-Dollar Wagniskapital und gründete Apeel. Sein Start-up entwickelte Edipeel als Beschichtung für Obst oder Gemüse. Dabei verwendet Rogers nur pflanzlichen Abfall, etwa Schalen, Kerne oder Stiele. Edipeel kann mitgegessen oder kompostiert werden. "Innerhalb einer Zitrone entsteht so ein neues, besseres Mikroklima", berichtet der Erfinder. Sein Ziel ist, die Haltbarkeit um den Faktor vier zu verlängern - ohne Kühlkette und ohne Kunststoffverpackung. Erdbeeren sollen mit seiner Beschichtung etwa eine Woche länger halten.

Natürliche Rohstoffe spielen auch bei Hasbro eine wichtige Rolle. Der US-amerikanische Spielwarenhersteller will bis 2019 bei Blistern und Kunststofffenstern in Verpackungen Bio-PET verwenden. Die Planungen sehen vor, bis zu 30 Prozent pflanzliche Materialien einzusetzen, die aus landwirtschaftlichen Neben- oder Abfallprodukte stammen. Aktuell belegt Hasbro Platz drei beim Newsweeks Green Rankings 2017, in dem die 500 größten börsennotierten US-Unternehmen hinsichtlich der Umweltleistung bewertet werden.

Beim Thema PET hat Unilever ebenfalls große Pläne. Zusammen mit Indorama Ventures und Ioniqa will der Konzern nicht verwertbare Reste chemisch zerlegen. Daraus entstehen Monomere für neue PET-Produkte. Die Technologie hat ihre Pilotphase erfolgreich durchlaufen und bewegt sich nun in Richtung industrieller Tests. Bis 2025 sollen alle Kunststoffverpackungen recycelbar oder kompostierbar werden.

Zulieferbetriebe unter der Lupe

Flasche aus recycelter Wellpappe
Die Flasche aus recycelter Wellpappe wird im
Closed-Loop-Verfahren hergestellt
Quelle: Ecologic Brands

Auch Ecologic Brands will mit Flaschen aus recycelter Wellpappe oder alten Zeitungen den Markt umkrempeln. Eine Folie aus Polyethylen mit Ausguss verhindert dabei, dass Produkte wie Wein, Tiernahrung oder Proteinpulver mit der Verpackung in Kontakt kommen. Jetzt ist es gelungen, den Kunststoffanteil weiter zu verringern: Mittlerweile werden 60 Prozent weniger Kunststoff als bei einer herkömmlichen Shampoo-Flasche benötigt.

Ecologic produziert die Flaschen in einem Closed-Loop-Verfahren, bei dem Papierschalen aus dem Papier- und Wellpappeabfall des L'Oréal-Distributionszentrums hergestellt werden. Pro Woche finden den Angaben zufolge fünf Tonnen Material bei einer neuen Produktlinie Verwendung. Metsä Board versorgt den Kosmetik-Riesen wiederum mit Frischfaserkartons. Bis 2020 will L'Oréal etwa 80 Prozent seiner Materialien von Firmen erhalten, die am CDP-Lieferkettenprogramm teilnehmen. Maßnahmen zur Senkung der CO2-Emissionen, zum Schutz von Wasser als natürlicher Ressource und zur Vermeidung von Abholzungen sind Teil des Maßnahmenpakets.

Für seine Initiativen beim Lieferkettenmanagement hat L'Oréal bereits zwei "A"-Auszeichnungen der CDP Worldwide (früher Carbon Disclosure Project) erhalten.

Zitat

Nicht-recycelbare Kunststoffe sollen ganz aus der Produktion verschwinden.

Mark Schneider, CEO Nestlé

Selbstverpflichtung als Marketing-Botschaft

Mark Schneider, CEO Nestlé
Mark Schneider, CEO Nestlé
Quelle: Nestlé

Auch Nestlé gab jetzt Details zur neuen Strategie bekannt. Bis 2025 sollen nur noch recycelbare oder wiederverwendbare Verpackungen zum Einsatz kommen. "Plastikmüll ist eines der größten Nachhaltigkeitsthemen, denen sich die Welt heute gegenübersieht", sagt Nestlés CEO Mark Schneider. "Wir sind bestrebt, verbesserte Lösungen zur Reduzierung, Wiederverwendung und Wiederverwertung zu finden." Schneider zufolge konzentriert sich Nestlé auf drei Bereiche. Nicht recycelbare Kunststoffe sollen ganz aus der Produktion verschwinden. Gleichzeitig will das Unternehmen den Anteil recycelbarer Kunststoffe erhöhen. Und nicht zuletzt sollen komplexe Kombinationen von Verpackungsmaterialien ganz aus der Produktion verbannt werden.

 

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