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10 Dinge, die Sie über Digitaldruck wissen müssen

„Digitaldruck wird Mainstream“ – so lautete vor einigen Jahren ein Claim eines Maschinenbauers. Was damals etwas großspurig klang, ist angesichts der Entwicklung der Technologie heute im Begriff, Realität zu werden.

Hersteller und Markeninhaber haben inzwischen die Möglichkeiten des Digitaldrucks für das Marketing und die Produktsicherheit erkannt, und die Verpackungshersteller auf der anderen Seite schätzen zunehmend die Flexibilität und die verbesserte Wertschöpfung, die ihnen die Technik bietet.

Digital oder analog drucken?

Diese Frage war bis vor kurzem rein auf die Wirtschaftlichkeit bezogen. Dabei wurde der „Break-even“ betrachtet, also die Auflagenhöhe, ab der sich die Kosten für die Herstellung einer dauerhaften Druckform, zum Beispiel einer Druckplatte, eines Flexo-Sleeves oder eines Siebes, amortisieren. Da im Digitaldruck keine dauerhaften Druckformen verwendet werden, bleiben hier die Stückkosten unabhängig von der Auflage immer gleich. Andere Faktoren wie die Flexibilität digitaler Druckproduktion, die Verringerung von Lagerbeständen und die Vermeidung von Obsoleszenzen können dennoch auch die digitale Produktion hoher Auflagen wirtschaftlich machen.
Titelstory VR 10/18
Individuell gestaltete Packungen, hier Tuben, sprechen den Betrachter gezielter an
Quelle: Linhardt

Vorstufe und Datenformate

Die Druckvorlagenherstellung für den Digitaldruck unterscheidet sich wenig von der für den Offset- Flexo- oder Tiefdruck. Die Druckereien können grundsätzlich denselben Workflow und die selben Datenformate in der Druckvorstufe für die analoge oder digitale Produktion verwenden. Besondere Beachtung sollte dem Farbmanagement zugemessen werden. Überzeugen Sie sich, dass Ihre Druckerei die entsprechenden Prozesse beherrscht. Verlangen Sie immer einen Andruck und erkundigen Sie sich nach Zertifikaten, etwa dem Prozessstandard Digitaldruck (PSD). Einige Digitaldruckmaschinen können auch sehr lange Druckbilder produzieren und ermöglichen so ungewöhnliche und damit auffallende Verpackungsformate.

Digitaldruckverfahren

Beim Inkjetdruck entsteht der Druck mittels direkt auf das Substrat gespritzter Tintentröpfchen. Diese Technik erlaubt sehr hohe Produktionsgeschwindigkeiten auf vielen Bedruckstoffen und hat inzwischen qualitativ das Niveau des Offsetdrucks erreicht. Inkjet-Druckmaschinen dringen aktuell in alle Bereiche des Verpackungsdrucks vor, auch in die Massenproduktion. Der Etikettenmarkt ist bereits zu einem erheblichen Teil digital, und auch für flexible Verpackungen, Faltschachteln und Wellpappe gibt es inzwischen leistungsfähige Inkjet-Maschinen im industriellen Maßstab. Das zweite Verfahren ist der elektrofotografische Druck, besser bekannt als Laser- oder Tonerdruck, bei dem das Druckbild in Form unterschiedlicher Ladungszustände auf der Bildtrommel entsteht, anschließend auf das Papier übertragen und dort mittels Hitze fixiert wird. Diese Technik liefert qualitativ sehr hochwertige Druckergebnisse, allerdings bei deutlich geringeren Produktionsgeschwindigkeiten. Das nach wie vor im Verpackungsdruck häufigste Digitaldruckverfahren ist der Indigo-Druck des Herstellers Hewlett Packard. Es handelt sich vom Grundprinzip her um ein elektrofotografisches Verfahren, nur das die Tonerpartikel sehr viel feiner sind und darum in Suspension in einer Flüssigkeit gehalten werden.

Toner- und Tinten

Für den Inkjetdruck im Verpackungsbereich gibt es im Wesentlichen zwei verschiedene Systeme: UV-härtende Tinten und wasserbasierende Tinten. Sie unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Trockung: UV-Tinten werden mittels UV-Strahlungsquellen verfestigt, wasserbasierende Tinten durch herkömmliche Wärmetrockung. Letztere eignen sich aufgrund ihres geringen Migrationspotentials vor allem für Verpackungen mit direktem Lebensmittelkontakt. UV-Tinten sind aufgrund ihrer Beständigkeit vor allem für Umverpackungen geeignet. Wer Verpackungen oder Teile davon im Inkjetverfahren bedrucken lassen möchte, sollte sich versichern, dass die verwendeten Tinten den Anforderungen an Qualität, Abriebfestigkeit oder Migrationsarmut entsprechen. Tonerdrucke sind ähnlich abriebfest wie Drucke mit UV-Tinten. Sie können aber unerwünschte Substanzen abgeben, wenn sie etwa mit Fetten und anderen Lösemitteln in Kontakt geraten. Die Industrie bietet aber inzwischen auch migrationsarme und für den Lebensmittelkontakt unbedenkliche Tinten und Toner an. Fragen Sie ihre Druckerei danach.

Druckmedien

Inkjet-Druckmaschinen der aktuellen Generation können selbst ungestrichene Papiere oder Natur- und Recyclingpapiere in Offset-Qualität bedrucken. Das gilt mit gewissen Einschränkungen sowohl für UV- wie für wasserbasierende Tinten. Auch Folien und andere Kunststoffe, Glas und Metall lassen sich mit Inkjet-Maschinen sehr gut bedrucken. Der Tonerdruck inklusive des Indigo-Verfahrens eignet sich ebenfalls für eine Vielzahl von Materialien und Anwendungen, eine Vorbehandlung ist hier durch die Thermofixierung üblicherweise nicht erforderlich. Anders als der Inkjetdruck ist der Tonerdruck aber nur für flexible Materialien wie Papier, Karton und Folien geeignet.

Druckkosten

Die digitale Produktion bietet viele Synergieeffekte, die einen Wirtschaftlichkeitsvergleich zwischen analoger und digitaler Fertigung schwierig machen und der nicht auf die reinen Produktionskosten beschränkt werden sollte. Digitale Druckproduktion eignet sich beispielsweise sehr gut für die Einbindung in vernetzte Lieferketten – eine Produktion „just-in-time“ und „on-demand“. Eine Reihe von modernen Anforderungen – sei es aufgrund der Eigenschaften des Druckproduktes oder aufgrund der Gestaltung der Lieferkette – lassen sich zudem oftmals überhaupt nur im Digitaldruck abbilden.

Veredelungsmöglichkeiten

Für Digitaldrucke steht grundsätzlich das gesamte Spektrum von Offline-Veredelungen zur Verfügung, zum Beispiel Kaschieren, alle Arten von Prägungen, Heißfolie, Stanzen und Lackieren. Allerdings macht eine klassische analoge Veredelung oftmals die Effekte des Digitaldrucks zunichte, denn hier sind wie beim analogen Druck teure Werkzeuge erforderlich, die sich nur über die Auflage amortisieren. Die Hersteller von Digitaldruckmaschinen haben darauf reagiert und Veredelungsmöglichkeiten entwickelt, die sich direkt im Druckprozess realisieren lassen. Viele Maschinen der aktuellen Generation können neben Sonderfarben auch Weiß, metallische Farben, Neonfarben und Lacke drucken. Einige bieten auch die Option, mit Strukturlacken erhabene Partien und damit haptische Effekte zu erzeugen.

Weiterverarbeitung

Um Versuche und Tests beim Wechsel auf Digitaldruck kommen Sie auch in der Weiterverarbeitung nicht herum. Ein Bruch der Farbschicht beim Falzen oder Rillen kommt heute jedoch nur noch selten vor.

Variabler Datendruck

Die herausragende Fähigkeit des Digitaldrucks ist der Druck mit variablen Daten. Das erlaubt es, Drucke je nach Empfänger, Anlass, Region oder irgendeinem anderen Kriterium unterschiedlich zu gestalten und ohne die Maschine anzuhalten nacheinander zu produzieren.

Sicherheit und Kennzeichnung

Haltbarkeitsdaten, Chargennummern, Bar- oder QR-Codes werden heute bereits standardmäßig mittels Digitaldruck auf Verpackungen aufgebracht. Der Digitaldruck bietet Markeninhabern aber weit mehr Möglichkeiten, die angesichts zunehmender Bedeutung von Themen wie Markenschutz, Fälschungssicherheit und Echtheits- und Erstöffnungsnachweis immer mehr in den Fokus rücken. 

Autor: Andreas Tietz
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