29. November 2018 | Recycling

Drängende Zukunftsfragen Verpackung

Vortragsraum
Vortragsraum
Quelle: DSD
Das Deutsche Verpackungsinstitut (dvi) und die Duales System Holding - Der Grüne Punkt - haben 2017 eine Kongressreihe unter dem Motto „Packaging – environment – future” ins Leben gerufen, bei der Studierende von Verpackungstechnik, Design und  Marketing sich mit Verpackungsspezialisten aus allen Bereichen der Wertschöpfungskette austauschen können.
Marek Hauptmann erläutert die Vor- und Nachteile von Karton
Marek Hauptmann erläutert die Vor- und Nachteile
von Karton
Quelle: DSD

Nach der positiven Resonanz auf die Premiere im vergangenen Jahr war der Zuspruch zum zweiten internationalen Studierendenkongress, Anfang November 2018 im Haus des Deutschen Instituts für Normung in Berlin, weiter gestiegen. Im Mittelpunkt der Vorträge, Workshops und Diskussionen standen vor allem drängende Fragen zu Umwelt und nachhaltiger Verpackung, aber auch Trends und Best-Practice des Verpackungsdesigns.

"Making Packaging Future Proof" und "Closing the Loop" als Schwerpunkte

Indonesische Studierende verfolgen aufmerksam die Vorträge
Indonesische Studierende verfolgen aufmerksam
die Vorträge
Quelle: DSD

Der erste Tag wurde von den Veranstaltern, vertreten durch Kim Cheng von der dvi-Geschäftsführung und den Leiter Kommunikation des DSD Helmut Schmitz, eröffnet. Danach hieß Dr. Ulrike Bohnsack, Member of the Executive Board des DIN, die Teilnehmer des Kongresses herzlich willkommen.

Das einleitende Referat hielt Dr. Corinna Franke-Wöller, Managing Director, Agency for Business & Economic Development. Mit ihrem Thema " Packaging, environment, future - we need a global approach" unterstrich sie zum einen die Bedeutung der Kongress-Schwerpunkte und zum anderen die Notwendigkeit des gemeinsamen, abgestimmten Handelns zur weltweiten Realisierung von Verpackungskreisläufen.

World Cafe-Themen
World Cafe-Themen
Quelle: DSD

Mit "Closing the loop – thinking innovations along the value chain" setzte Christina Schulz, Project Managerin des DSD, die Vortragsreihe fort. Sie erläuterte das neue VerpackG Deutschlands und zeigte anhand funktionierender Beispiele, wie geschlossene Kreisläufe für Verpackungen erreichbar sind. Im Mittelpunkt steht auch die Reputation der Kunststoffe, die vom einstigen Symbol des Fortschritts zum Synonym für Umweltverschmutzung geworden sind. Wichtig ist eine Harmonisierung der Qualitätsstandards für Rezyklate auf dem EU-Markt mit dem Ziel des Vorrangs von Produkten mit Rezyklatanteil, die die geforderte Qualität erreichen.

Im Beitrag "On the road to sustainability" stellte Daniel Nebe, Group Leader Packaging Development des Kosmetik- und Haushaltmittelherstellers Kao dar, wie der japanische Mutterkonzern bereits seit 120 Jahren auf Nachhaltigkeit der eingesetzten Verpackungen achtet.

Alternativen zu Kunststoffverpackungen

Helmut Schmitz dankt Alexandra Lange
Helmut Schmitz dankt Alexandra Lange
Quelle: DSD

Die Nachhaltigkeit der Packstoffe aus PKP ist unbestritten. Deshalb stellte Prof. Marek Hauptmann von der Steinbeis HS in seinem Vortrag die Frage “Paper, cardboard, paperboard – a winner in the plastics debate?” Eindrucksvoll stellte er die Vor- und Nachteile von PKP gegenüber Kunststoff dar, die er in der Forschungsgruppe "Formen faserbasierter Materialien" an der TU Dresden bei der 3D-Umformung, der Maschinengängigkeit und der Erfüllung der Verpackungsfunktionen des Packstoffes Karton erproben konnte. Sein Fazit: PKP kann Kunststoff nicht in jedem Fall ersetzen.

Prof. Supartono bei seinem Vortrag
Prof. Supartono bei seinem Vortrag
Quelle: DSD

Eine weitere Möglichkeit des Ersatzes herkömmlicher Kunststoffe bieten Biokunststoffe. Diesem Thema widmete sich Dr. Harald Käb, narocon, mit “Bioplastics versus fossil-based plastics – differences and similarities with regard to circular economy”. Er führte aus, dass Biokunststoffe seit 20 Jahren auf dem Markt sind, aber ihr Anteil am Kunststoffverbrauch nur etwa 0,5 % beträgt. Die Rahmenbedingungen zur Förderung dieser Innovation stehen so weit am Anfang wie ihr Marktanteil. Große Anwender wie Coca-Cola entscheiden sich für "mehr grüne Kunststoffe". Wird jetzt auch die Politik sie entdecken, da die Vermüllung der Erde ein solches Ausmaß erreicht hat?

0,5 Mio. Kubikmeter Müll in der Nordsee

Abendliches Beisammensein
Abendliches Beisammensein
Quelle: DSD

Zu Beginn des zweiten Veranstaltungstages berichtete die Professorin für Ressourcenwirtschaft Gilian Gerke von der HS Magdeburg über Ergebnisse der Reise des Segelschiffes „Ryvar“, auf dem sie 2017 mit einem Forschungsteam Wasserproben der Ost- und Nordsee auf Mikroplastik untersuchte. In ihrem engagierten Vortrag “Marine Litter, Plastics and a University in Magdeburg” erläuterte sie, dass schätzungsweise über eine halbe Mio. m³ Müll am Grund der Nordsee liegen, die nicht nur Leben und Umwelt gefährden, sondern auch ungenutzte Ressourcen darstellen. Gemeinsam müssen alle Anrainer Gegenmaßnahmen ergreifen.

Unter der Überschrift „Closing the loop for Packaging” berichteten Dr. Harald Hauke von ARA Österreich und Alexandra Lange von CITEO Frankreich über die Organisation der Verpackungsentsorgung in ihren Ländern.

Der globale Aspekt des Abfallmanagements wurde mit dem Vortrag “Indonesia 2018 – Packaging, Infrastructure, Recycling” von Prof. Wahyu Supartono (Gadjah Mada University, Indonesien) deutlich. Anknüpfend an seine Ausführungen vom Vorjahr zeigte er auf, welche Fortschritte zu verzeichnen sind, aber auch welche Aufgaben zu lösen sind. Sollten Produktion und Verbrauch von Kunststoff auf gleichem Niveau bleiben, wird sich der Kunststoffabfall im Meeresraum des Inselstaates von gegenwärtig 150 Mio. t bis zum Jahr 2050 auf 250 Mio. t erhöhen. Etwa die Hälfte des Abfalls verursachen die Haushalte, deshalb ist neben Gesetzen vor allem die Aufklärung der Bevölkerung nötig.

Die Studierenden des 2. Kongresses
Die Studierenden des 2. Kongresses
Quelle: DSD

Abgerundet wurde die internationale Dimension des Themas durch Jana Villwoek von Europen mit dem Vortrag “Managing Sustainable Packaging – Insights from the EU Perspective”, in dem sie die Roadmap der EU zur Umsetzung der Recyclingziele und Diskussionen wie „Single use Plastic“ im EU-Parlament erläuterte.

Danach verteilten sich die Teilnehmer auf sechs Workshops, in denen sie das Gehörte mit den anwesenden Experten vertieften.

Mit einem Rückblick auf die beiden Veranstaltungstage in diesem Jahr und dem Ausblick auf weitere Initiativen verabschiedeten sich Winfried Batzke (dvi) und Helmut Schmitz (DSD) von den diszipliniert und engagiert mitwirkenden Studierenden sowie den zahlreichen Teilnehmern, die zum Gelingen des Kongresses beitrugen.

Von Dr. Monika Kaßmann

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