04. Juli 2019 | Packstoffe + Packmittel

70 Jahre Verpackungshighlights: Packstoffe + Packmittel

>1945

Die bereits vor dem 2. Weltkrieg entwickelten thermoplastischen Kunststoffe hielten in der Nachkriegszeit endgültig Einzug in die Verpackungswelt. Zu dieser Zeit wurde in Deutschland das Schlauchbeutelverfahren entwickelt, das die Welt der Verbraucherverpackungen revolutionierte.

Der Schlauchbeutel machte in der Nachkriegszeit Karriere
Der Schlauchbeutel machte in der Nachkriegszeit Karriere
Quelle: Hassia Redatron

>1950

Einschlagverpackungen sind eine Erfolgsstory: Bis heute gängig
Einschlagverpackungen sind eine Erfolgsstory: Bis heute gängig
Quelle: AdobeStock/Zffoto
Eine neue Einschlagverpackung für pastöse Produkte mit effizienter Bodenfaltung entwickelte Benhil in dieser Zeit. Sie wurde von einer Maschine mit präziser Abfüllung und der damals enormen Leistung von 30 Butter-Packungen/Min. hergestellt. Diese Verpackungsart hat sich nach zahlreichen Weiterentwicklungen der Packstoffe bis heute auf dem Markt gehalten.

1955

Das Verpacken von Flüssigkeiten in Sprühverpackungen (Spray-, Aerosoldosen) kam von Norwegen über die USA nach Deutschland und fand zunehmend Verbreitung in der Farben-, Haushaltchemie- und Kosmetikindustrie. So brachte Schwarzkopf bereits 1955 die erste Haarsprayverpackung heraus.

1960

Auch die Anwendung der Thermoformtechnik für Verpackungen aus Kunststoff führte nach 1960 zu neuen Packmitteln. Für den aufstrebenden Selbstbedienungshandel besonders geeignet waren die Blisterverpackungen, die nun die Ware auf einer bedruckten Papp- oder Kunststoffrückwand in einem Formteil aus Kunststofffolie sichtbar präsentierten. Beim „Tablettenblister“ (auch „Durchdrückpackung“ genannt), der vorwiegend Conveniencevorteile brachte, wurde die Rückseite vorzugsweise aus Aluminiumfolie geformt.

1962

Für die Verlängerung der Haltbarkeit v. a. sauerstoffempfindlicher Füllgüter sowie zur Verbesserung der Convenience durch neue Verpackungsarten waren in den 60er Jahren sowohl technologische als auch Materialentwicklungen ausschlaggebend. Dazu zählen aseptische Verpackungen, die Alpura (heute Nestlé) 1962 erstmals auf den Markt brachte, die Sterilabfüllung von Milch in Tetra-Paks, die Einführung des Gefriertrocknungsverfahrens sowie das Verpacken unter Schutzgasatmosphäre.

>1960

Diese wurde bald durch eine neue Vakuum-Verpackung für gemahlenen bzw. auch für Bohnen-Kaffee abgelöst, die zum einen auf der Möglichkeit beruhte, die von Hesser entwickelte vollautomatische Verpackungsanlage „vacufin“ einzusetzen und zum anderen auf der Anwendbarkeit von Verbundfolien.

1969

In der Mitte des 20. Jahrhunderts sorgten die Tetra Briks für eine Verpackungsrevolution
In der Mitte des 20. Jahrhunderts sorgten die Tetra Briks für eine Verpackungsrevolution
Quelle: Tetra Pak
In den 50er Jahren kam für das Verpacken flüssiger Lebensmittel das schwedische Tetra-Pak-Verfahren zur Herstellung von Packungen − damals aus gewachstem Karton − nach Deutschland. Durch systematische Weiterentwicklung wurde die Herstellung der Tetra-Brik-Packungen, die in Deutschland erstmals 1969 erfolgte, das eigentliche Highlight dieses Verfahrens, denn sie wurden als bequem zu transportierende Quader aus PE-beschichtetem Karton von der Rolle gefertigt.

>1980

Die Art und Weise, wie Bonbons eingewickelt werden, hat sich nur wenig verändert
Die Art und Weise, wie Bonbons eingewickelt werden, hat sich nur wenig verändert
Quelle: Storck
Eine weitere Entwicklung kam in den 80er Jahren aus den USA: der Einsatz von OPP (Oriented Polypropylene) als Packmittel für Süßwaren wurde auch in Deutschland erste Wahl.

>1990

Einen besonderen Schub erlebte die systematische Weiterentwicklung von flexiblen Verpackungen (im Gegensatz zur aktuellen, wenig kunststofffreundlichen Diskussion) durch die Einführung der Verpackungsverordnung zu Beginn der 90er Jahre, die leichtere, sparsame Verpackungen propagierte. Dazu zählten Standbodenbeutel, die v. a. als Nachfüllpackungen vermarktet wurden.

1995

Mitte der 90er eroberte die seit 1978 in den USA durch Coca-Cola eingesetzte PET-Flasche den deutschen Markt. Sie war inzwischen leichter, einteilig, wurde produktiver hergestellt, mit neuen Beschichtungsverfahren veredelt und auch die Heißabfüllung von Säften u. a. war inzwischen möglich.

>2000

Papier ersetzt immer mehr den Kunststoff bei vielen Verpackungen, so auch bei Flaschen
Papier ersetzt immer mehr den Kunststoff bei vielen Verpackungen, so auch bei Flaschen
Quelle: Alpla
Seit der Jahrtausendwende ist die Packmittelentwicklung nicht mehr vorrangig durch viele spektakuläre Einzelschritte gekennzeichnet, sondern es stellen globale Forderungen wie Nachverfolgbarkeit, Digitalisierung, Ressourcennutzung, Kreislauffähigkeit, Einsatz von Nanomaterial oder auch neue Logistiksysteme die Weichen für die Weiterentwicklung der gesamten Verpackungsbranche. So sind RFID-Tags in den Packungen längst eingeführt, die „Papierflasche“ mit abbaubarer Barriere bereits in der Erprobung, Packmittel aus Nanozellulose in greifbarer Nähe, „electronic blister“ als Arzneimittelverpackungen überwachen künftig die Anwendung, werbewirksame Verpackungen werden alle Sinne des Käufers ansprechen und Ladeeinheiten ihren Weg durch das Lager finden. Es bleibt spannend!

>2018

Erste heimkompostierbare Kaffeekapsel
Erste heimkompostierbare Kaffeekapsel
Quelle: Alpla
Mit der Einigung auf die Plastics Strategy der EU 2018 und dem Inkrafttreten des Verpackungsgesetzes in Deutschland 2019 ist von allen an der Wertschöpfungskette Verpackung Beteiligten die Mitwirkung bei der Kreislaufführung der eingesetzten Materialien auf ein neues Level gehoben worden. Selbstverpflichtungen namhafter Anwender von Kunststoffverpackungen wie Unilever, Coca-Cola, Nestlé, Mars, Danone und Werner&Mertz wurden abgegeben, aber auch der Handel hat Konsequenzen gezogen und vor allem den Einsatz von Kunststoffverpackungen eingeschränkt. In Zusammenarbeit mit Golden Compound bringt der international tätige Verpackungshersteller Alpla eine Weltneuheit auf den Markt: Die erste heimkompostierbare Kaffeekapsel.

>2018

Kunststofffreie Verpackung für Pasta: Der neue Pasta-Papierbeutel von Alb-Gold kommt gänzlich ohne Kunststoff aus. Das schwäbische Familienunternehmen ist mit dieser Art der erste Hersteller auf dem deutschen Markt.  Gemeinsam mit Billerud Korsnäs als Papierhersteller und Bosch Packaging Technology auf der Maschinenseite wurde das Projekt der gesiegelten Papierverpackung realisiert.

>2018

Biokomposite als erneuerbarer Ersatz für Kunststoffe
Biokomposite als erneuerbarer Ersatz für Kunststoffe
Quelle: Stora Enso
Stora Enso bringt Biokomposite als erneuerbaren Ersatz für Kunststoffe auf den Markt. Dies ist ein weiterer wichtiger Schritt auf dem Weg der Gruppe, fossile Materialien durch erneuerbare Lösungen zu ersetzen.

Von Dr. Monika Kaßmann

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