04. Juli 2019 | Verpackungstechnik

Der Blick zurück: 70 Jahre Verpackungstechnik

1952

Der Einzug der thermoplastischen Kunststoffe in die Verpackungswelt stellte in den 50er Jahren den Verpackungsmaschinenbau vor völlig neue Herausforderungen. Diese Packstoffe, die wegen ihrer Schutzwirkung von den Produktherstellern schnell bevorzugt wurden, ließen sich ausgezeichnet formen und ermöglichten die Anwendung neuer, rationeller Technologien. Eine davon war das von der Firma Hesser 1952 eingeführte Heißsiegelverfahren für Kunststoffpackungen.

1955

In den 1950er und 60er Jahren machte die Verpackung große Qualitätssprünge durch Technik
In den 1950er und 60er Jahren machte die Verpackung große Qualitätssprünge durch Technik
Quelle: Tetra Pak
Im gleichen Jahrzehnt kamen für das Verpacken von Flüssigkeiten das schwedische Tetra-Pak-Verfahren zur Herstellung von kunststoffbeschichteten Kartonpackungen ebenso auf den deutschen Markt wie das 1955 von William R. Scholle entwickelte Bag-in-Box-Verfahren.

1961

Neue Entwicklungen sorgten für stets moderne Verpackungstechnik
Neue Entwicklungen sorgten für stets moderne Verpackungstechnik
Quelle: Multivac
1961 wurde die erste Vakuum-Kammermaschine von Multivac konstruiert und damit ein entscheidender Beitrag zur Einführung der Vakuumverpackung bei der Herstellung und Vermarktung von Lebensmitteln zur Verlängerung ihrer Haltbarkeit geleistet. Im gleichen Zeitraum wurde erstmals die Sterilabfüllung von Milch im Tetra-Pak-Verfahren vorgenommen. Hesser stellte eine vollautomatische Vakuumverpackungsanlage vacufin für gemahlenen Kaffee in Innenbeutel-/Außenkarton-Packungen vor.

1967

Der erste Sammelpacker für Tray-Verpackungen schaffte bis zu 25 Takte pro Minute
Der erste Sammelpacker für Tray-Verpackungen schaffte bis zu 25 Takte pro Minute
Quelle: KHS
1967 wurde u.a. die Abfülltechnologie für pulvrige und stückige Güter unter Schutzgas entwickelt. Weiterhin erforderten die Veränderungen im Handel und in der Logistik rationellere Transportverpackungsverfahren wie das Einschlagverfahren (Wrap-around) oder die Mechanisierung des Einsatzes von Papptrays mit und ohne Schrumpffolie, die von KHS 1968 als Sammelpacker für Gebinde mit Flaschen eingesetzt wurde.

1974

Das nächste Jahrzehnt war der Beginn des Computer-Zeitalters. 1974 wurde die SPS (speicherprogrammierbare Steuerung) auf den Markt gebracht und ermöglichte die Steuerung und Regelung von Maschinen und Anlagen auf digitaler Basis. Die Freiprogrammierbare Steuerung und die automatisierte CIP-Reinigung (clean-in-place) wurden zum Standard der nachfolgenden Maschinengenerationen.

1987

Der Mensch sollte der Robotok für neue Verpackungsmaschinen Modell stehen
Der Mensch sollte der Robotok für neue Verpackungsmaschinen Modell stehen
Quelle: Gerhard Schubert

1992

In den 90er Jahren übernahm der PC Überwachungsfunktionen, erleichterte Ferndiagnose und vorbeugende Reparatur. Bosch Rexroth entwickelte 1992 visuelle Programmiersprachen, wie Google Blockly, die Einzug in die Automatisierung hielten und dem Anwender die einfache Umsetzung von Maschinenfunktionalitäten ermöglichte.

1996

Neuheit: Die kontinuierlich arbeitende F-44-Pickerlinie mit Gegenlaufprinzip
Neuheit: Die kontinuierlich arbeitende F-44-Pickerlinie mit Gegenlaufprinzip
Quelle: Gerhard Schubert
Bei der Schubert GmbH erfolgte 1996 die Inbetriebnahme der ersten SNC-F44- Pickerlinie. Weitere Systemkomponenten, wie Roboter für spezielle Aufgaben, das Vision-System mit der Marktreife des 3D-Scanners, der das räumliche Sehen ermöglichte, der Transport-roboter „Transmodul“, das Schlauchbeutelaggregat „Flowmodul“ sowie die von Schubert stetig weiterentwickelte VMS (Verpackungsmaschinensteuerung) entstanden später.

2000

Nach der Jahrtausendwende bestimmte die intelligente Vernetzung von Maschinen und Abläufen mit Hilfe der Informations- und Kommunikationstechnologie unter dem Begriff Industrie 4.0 immer mehr die Entwicklung. Gleichzeitig kam die Verpackungstechnik der Forderung nach Rückverfolgbarkeit der Packungen durch die Einführung von Identifikationssystemen für die Pharmabranche nach. Unter dem Begriff „Track&Trace“ wurden RFID-Tags und aufgedruckte Seriennummern eingeführt.

2005

Maschinen werden leichter, der modulare Aufbau begünstigte die Austauschbarkeit. Komplette Linien haben sich durchgesetzt. Der PC übernahm Überwachungsfunktionen, erleichterte Ferndiagnose und vorbeugende Reparatur. Diesem Trend entsprach Bosch Rexroth mit dem 2005 entwickelten schaltschranklosen Antriebssystem IndraDrive Mi, das später in die neueste Schubert-TLM-Generation installiert wurde, wodurch die erste schaltschranklose Verpackungsmaschine auf den Markt kam.
2005 entwickelte Beumer auch den platzsparende Knickarmroboter robotpac, der vollautomatisch komplexe Palettier- und Depalettieraufgaben mittels jeweils passendem Greifsystem für unterschiedliche Packungsarten löste.

>2010

Intelligente Vernetzung von Mensch und Maschine
Intelligente Vernetzung von Mensch und Maschine
Quelle: AdobeStock / AndSus
Ab 2010 nahmen Robotertechnik und Künstliche Intelligenz weiter an Bedeutung zu. Gegenwärtig entwickeln sie sich hin zu einer taktzeitoptimierten Kollaboration in Form hybrider Mensch-Roboter-Systeme mit variabler Aufgabenteilung, um hohe Qualitätsanforderungen mit Investitions- und Ressourceneffizienz zu vereinbaren und zugleich Ergonomie sowie Arbeitsproduktivität zu verbessern.

Von Dr. Monika Kaßmann

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