21. Januar 2019 | Packstoffe + Packmittel

Neue Etappe in der EU-Mikroplastik-Strategie

Neue Etappe in der EU-Mikroplastik-Strategie
Ein bunter Haufen: Mikroplastik-Fragemente aus dem Rhode River, USA
Quelle: Will Parson

In der EU gelangen Schätzungen zufolge jährlich 75 Tt bis 300 Tt Mikroplastik in die Umwelt. Eine große Menge entsteht durch die Fragmentierung von Kunststoffabfall oder durch den Abnutzungsprozess von Produkten. Mikroplastik wird aber auch bewusst hergestellt und verschiedenen Produkten, z. B. Kosmetika, Waschmitteln oder Farben, zugesetzt. Vor einem Jahr leitete die EU-Kommission ein Verfahren ein, mit dem die Verwendung von absichtlich zugesetztem Mikroplastik beschränkt werden sollte. Im Zuge dessen forderte sie die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) zur Erstellung eines Beschränkungsdossiers auf.

Freiwillige Selbstbeschränkung der Kosmetikindustrie

Vergangenen März rief die ECHA dazu auf, Nachweise und Informationen über den absichtlichen Einsatz von Mikroplastikpartikeln in Produkten einzureichen Daraufhin gab die Kosmetikindustrie beispielsweise eine freiwillige Selbstbeschränkung ab. Sie will demnach bis zum Jahr 2020 auf den Einsatz von Mikroplastik verzichten. Wurden 2012 von ihr 4.360 t in Pflegeprodukten eingesetzt, so konnte 2017 nach Aussage der Europäischen Vereinigung Cosmetics Europe der Wert auf 107 t reduziert werden.

Beschränkungsdossier übergeben

Im Januar dieses Jahres erfolgt ein neuer Schritt mit der Übergabe eines Beschränkungsdossiers an verschiedene Ausschüsse der ECHA. Rund 95 Teilnehmer aus Industrie, Wissenschaft, NGOs der Mitgliedstaaten hatten in einem Workshop zunächst den Begriff "Mikroplastik" präzisiert. Demnach sind darunter Polymere oder Polymere enthaltende feste oder semifeste Partikel mit einer Größe kleiner/gleich 5 mm zu verstehen. Dabei wird nicht zwischen synthetischen und natürlich vorkommenden sowie zwischen wasserlöslichen und wasserunlöslichen Polymeren unterschieden, auch wenn diese Eigenschaften eine wichtige Rolle bei der Risikobewertung spielen. Beschränkungen betreffen Mikroplastik, das bei der Verwendung anwesend ist, während des Gebrauchs freigesetzt wird bzw. in der Umwelt persistent ist.

Welches Mikroplastik ist wie sehr bedenklich?

Mikroplastikpartikel, die während ihrer Anwendung vollständig verbraucht werden, indem sie zu einem größeren Teil verarbeitet werden, fallen nicht in den Beschränkungsbereich. Diskutiert wird noch das Kriterium der Persistenz, darunter die Aspekte Löslichkeit und (biologische) Abbaubarkeit. Lösliche Polymerstoffe, die im Produkt und nach Freisetzung in der Umwelt gelöst bleiben, geben demnach keinen Anlass zur Besorgnis. Ebenso sollen unlösliche oder schwerlösliche Polymere, die relativ schnell in der Umwelt (biologisch) abgebaut werden, von der Beschränkung ausgenommen sein.

Von Dr. Monika Kaßmann

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