23. Oktober 2017 | Wirtschaft

Future Resources 2017: „Verpackung ist Rohstoff“

Eine Diskussion rund um das Thema Recyclingfähigkeiten von Verpackungen endete vergangene Woche in Frankfurt a. M. mit dem Fazit der Veranstalter, dass die Experten sich einig sind: „Ökodesign muss stärker in den Fokus rücken“. Der Umweltdienstleister Interseroh und das Deutsche Verpackungsinstitut e.V. (dvi) hatten ihre erste gemeinsame Fachtagung „Future Resources 2017“ veranstaltet. Rund 100 Teilnehmer aus Handel, produzierendem Gewerbe und Recyclingbranche haben intensiv das Thema Recyclingfähigkeit von Verpackungen im Frankfurter Kunstverein diskutiert.

„Es war an der Zeit, einen konstruktiven Austausch zwischen den Akteuren der Wertschöpfungskette Verpackung herbeizuführen“, so Markus Müller-Drexel, Geschäftsführer der Interseroh Dienstleistungs GmbH, einem Unternehmen der Alba Group. „Wir sind uns alle einig, dass Ökodesign stärker in den Fokus der Verpackungsherstellung rücken muss. Die geforderten Recyclingquoten können nur erreicht werden, wenn wir auch dieses Thema gemeinsam angehen und Verpackungen effizient als Ressource nutzen.“

Verpackung: „Pionier der Kreislaufwirtschaft“

„Wir freuen uns, dass unsere erste gemeinsame Fachveranstaltung einen solchen Zuspruch in der Branche gefunden hat. Dies stimmt uns zuversichtlich, dass die Verpackungswirtschaft auch in Zukunft ihre Rolle als Pionier der Kreislaufwirtschaft verteidigen wird“, sagte dvi-Geschäfstführer Winfried Batzke.

Alexander Reitz, GVM Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung mbH, Mainz, legte als Referent die Statistikbasis mit einer um 18 % gestiegenen Verpackungsabfallmenge auf über 18 Mio. t/Jahr und einem um 16 % gestiegenen Verbrauch Verpackung pro Kopf der Bundesdeutschen. Der stark gewachsene Außer-Haus-Verzehr mit plus 16 % sei neben dem boomenden E-Commerce-Handel mit den Konsumenten an ihre Privatadresse oder den Kaffeekapseln einer der Anzeiger für stark verändertes Verbraucherverhalten.

Vertriebsverbot droht

Da konnte Gunda Rachut (Vorstand Stiftung Zentrale Stelle Verpackungsregister) gut ansetzen. Ihre offiziell öffentlich-rechtliche „beliehene Behörde“, eine Stiftung,  werde ab 1.1.19 im Rahmen des Verpackungsgesetzes für mehr Transparenz und Kontrolle beim Verpackungsrecycling sorgen. Die leichten Verpackungen seien nie zu über 2/3 im Recycling gelandet, ein Betrag über den grünen Punkt von 200-300 Mio. Euro gingen dadurch bisher „schmerzhaft“ verloren. Rachut stünde mit dem Verteilen der Verwaltungskosten von jährlich 1,2 – 1,3 Mrd. Euro mit ihrer Stiftung für das „Schmerzhafte“.

Bei der DSD als größtem Verpackungsentsorger habe man 55.000 Kunden gezählt, über das GVM habe sie aber 720.000 Gewerbetreibende ermittelt. Auch ein kleiner, gewerblich E-Commerce Vertreibender muss sich bei dem Verpackungsregister anmelden. Ab August 2018 könne dort geübt werden, ab dem 1.1.19 „muss man registriert sein, sonst gilt ein Vertriebsverbot!“

Peter Heydasch, Materialexperte Dow Europe GmbH, verwies darauf, dass moderne Kunststoffe heute sehr leistungsstark sein müssen. Ein reifender Käse in der Folie soll sein Methan abgeben, es soll aber auch kein Sauerstof eindringen. Helmut Spaeter will mit seiner barriopac Silikonisierung als Barriereschicht lieber 1 g Sand verwenden als klassische 100 ml EVOH für 10 m² Folie. Dr. Siegfried Kreibe, Bifa Umweltinstitut GmbH, sieht ein erhebliches Potenzial in der Verwertung/dem Recycling von Verpackungen. Veranstaltungen wie dieser Future Resources liefern Wissen über die wichtige Verwertungskette, damit „nicht weiter viel Geld rausgeschmissen“ werde.

Mehr Informationen unter der Webseite future-resources.de

Future Resources 2017: ?Verpackung ist Rohstoff?
Markus Müller-Drexel (li.) und Winfried Batzke in Frankfurt a. M.
Quelle: Alba
Future Resources 2017: ?Verpackung ist Rohstoff?
Leichtverpackungen in der Sortierung, 2/3 werden nur recycelt
Quelle: Alba

Von Norbert Sauermann

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