27. März 2018 | Packstoffe + Packmittel | Neuheit

Restaurantkette Nordsee: Verpackung aus Algen

Algen als nachhaltige Verpackung
Eine Verpackungslösung, die nachhaltig produziert wird, biologisch abbaubar und bestenfalls sogar essbar ist
Quelle: Alfred-Wegener-Institut

Verbraucher werden beim Thema Verpackung zunehmend kritischer. Grund genug für die Restaurantkette Nordsee, mit Forschungspartnern nach Alternativen zu suchen. Passend zum Namen sollen Algen, genauer gesagt Makroalgen, als Basis dienen.

Nach Angaben des Umweltbundesamts (UBA) benötigt die Gastronomie rasant wachsende Mengen an Serviceverpackungen. Waren es im Jahr 2000 noch 110 Kilotonnen, gibt das UBA für 2015 rund 256 Kilotonnen an. Die „To Go“-Kultur führt zu steigenden Müllbergen.

Robert Jung, Vorsitzender der Nordsee-Geschäftsführung, kennt die Entwicklung aus eigener Erfahrung. „Wir haben ein starkes Wachstum im Snackgeschäft", sagte er in einem Pressegespräch. Schon heute setzt sein Konzern auf Recycling-Materialien sowie auf nachwachsende Rohstoffe. Auch ein Pfandsystem kann sich Jung vorstellen.

Seine neueste Idee geht aber in eine ganz andere Richtung. Essbare Schachteln hätten für Kunden eine „andere Qualität“. Deshalb hat er zusammen mit dem Alfred-Wegener-Institut Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) und der Hochschule Bremerhaven ein Forschungsprojekt aus der Taufe gehoben. 

Keine Interaktion mit Lebensmitteln

In den nächsten zwei Jahren versuchen die Partner, gemeinsam nachhaltige Verpackungslösungen aus Makroalgen zu entwickeln. Im Gegensatz zu Kleinstlebewesen, den Mikroalgen, sind Makroalgen mit bloßem Auge erkennbar. Sie wachsen schnell und erreichen Längen von mehreren Metern. Viele Strandspaziergänger kennen Makroalgen als Seetang.

„Wir wollen eine Verpackung entwickeln, die nachhaltig produziert wird, biologisch abbaubar und bestenfalls sogar essbar ist“, erklärt Frederike Reimold von der Hochschule Bremerhaven. Zusammen mit Kollegen arbeitet sie an der technischen Entwicklung der Verpackung. Laut Reimold sei wichtig, dass die Box nicht nach Algen schmecke, nicht abfärbe, aufweiche und es keine Interaktionen mit Lebensmitteln gebe. Am AWI werden die passenden Algen ausgewählt und gezüchtet. 

Gute Erfahrungen aus anderen Projekten

Es gebe bereits Folien, die aus einzelnen Bestandteilen von Algen bestünden, so Britta Grote vom AWI. Alginat aus Braunalgen werden in Lebensmitteln, Kosmetika und in der Medizin eingesetzt. Sie dienen als Gelier-, Überzugs- oder Verdickungsmittel, lassen Wunden besser abheilen oder helfen gegen Sodbrennen.

Ein möglicher Ekelfaktor ist längst vom Tisch. Inhaltsstoffe der Algen werden heute bereits in der Lebensmittelindustrie verwendet. Außerdem essen wir Sushi, Algensalat oder wir reichern vegane Nahrung mit iodidhaltigem Algenpulver an. In zwei Jahren hofft Jung, „Mak-Pak“ – die Algenverpackung zu präsentieren. Sein Projekt wird vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft mit 350.000 Euro gefördert. 


Von Michael van den Heuvel

nach oben drucken RSS-Feed