21. Juni 2016 | Wirtschaft | Neuheit

Bio-Kunststoffe: Alleskönner aus Orangenschalen

Man nehme Orangenschalen, entziehe ihnen den Naturstoff Limonen, oxidiere ihn und verbinde ihn mit Kohlendioxid: Und schon hat man einen biobasierten Kunststoff, aus dem sich ohne hohe Kosten umweltfreundliche Funktionsmaterialien für verschiedenste industrielle Anwendungen herstellen lassen. „PLimC“ ist der Name dieses grünen Alleskönners, der es erstmals ermöglichen soll, allein auf der Basis nachwachsender Rohstoffe ein breites Spektrum leistungsstarker Kunststoffe herzustellen. Dies hat jetzt ein Forschungsteam an der Universität Bayreuth herausgefunden.

PLimC ist ein Polycarbonat, das aus einer Synthese von Limonenoxid mit Kohlendioxid hervorgeht. So sei gewährleistet, dass es im Unterschied zu herkömmlichen Polycarbonaten nicht die gesundheitsschädliche Substanz Bisphenol A enthalte. Zudem bringt der neue bio-basierte Kunststoff eine Reihe von Eigenschaften mit, die ihn für industrielle Anwendungen attraktiv machen:

PLimC ist nach Angaben der Forscher hart, äußerst hitzebeständig und durchsichtig und eigne sich deshalb besonders gut als Material für Beschichtungen. „Diese Erkenntnisse, die wir bereits im vorigen Jahr veröffentlicht haben, konnten wir jetzt mit unserer neuen Studie entscheidend erweitern“, erklärt Prof. Dr. Andreas Greiner, der Leiter des Bayreuther Forschungsteams.

Lösung für die Weltmeere?

Ein anderes Beispiel sind meerwasserlösliche Polymere, die sich im salzigen Meerwasser in ökologisch unbedenkliche Bestandteile auflösen und anschließend zersetzen. Solche Kunststoffe könnten, wenn sie künftig für Flaschen, Tüten oder andere Behälter verwendet werden, der dramatisch ansteigenden Verschmutzung der Meere durch nicht-lösliche Plastik-Partikel entgegenwirken.

Falls Sie keine Orangenschalen, nehmen Sie doch Kunststoffverpackungen aus Chicoree der Uni Hohenheim

Orangenschalen als Basis für neune Kunststofftypen - hier Beschichtungen
Quelle: Fotolia / Werner Fellner
Bio-Kunstoffe: Alleskönner aus Orangenschalen
Das Autorenteam der neuen Studie in einem Labor der Bayreuther Polymerforschung: Prof. Dr. Seema Agarwal, Oliver Hauenstein M.Sc. und Prof. Dr. Andreas Greiner (v.l.). Dahinter ein Reaktor zur Polymersynthese
Quelle: Christian Wißler

Von Susanne Blüml

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