11. Juli 2018 | Packstoffe + Packmittel

Aus Recycling wird Newcycling

Das Recyclingtechnologieunternehmen APK, ein Start-up mit Sitz in Merseburg, hat ein Verfahren entwickelt, um praktisch neuwertige Polymere aus Verpackungsabfall zu generieren. „APK verfügt über einen lösemittel-basierten Aufbereitungsprozess mit der Bezeichnung Newcycling, der ein hochwertiges Recycling von Multi-Layer-Verpackungen ermöglicht. Damit können aus komplexen mehrschichtigen Verpackungen sortenreine Regranulate mit Eigenschaften ähnlich denen von neu hergestellten Kunststoffen zurückgewonnen werden“, erklärt Klaus Wohnig, APK Vorstandssprecher. Wie die FAZ berichtet, werden derzeit noch Produktionsabfälle aus der Verpackungsindustrie verwendet, ab Anfang 2019 soll dann auf Material aus dem gelbem Sack zurückgegriffen werden. Der Newcycling-Prozess arbeite sehr wirtschaftlich, so dass die gewonnenen Regranulate zu wettbewerbsfähigen Preisen angeboten werden können, so das Start-up.

Erfolgreich getestet

In einem gemeinsamen Projekt arbeiten Henkel, Mondi, Borealis und APK gerade daran, Mehrschichtfolien aus dem Recyclingmaterial zu entwickelt. So hat Mondi die Eignung von recyceltem APK-LDPE für Mehrschichtfolien am Standort seines Forschungs- und Entwicklungszentrums in Gronau getestet und in einer Pilotanlage vor Ort erfolgreiche Vorversuche durchgeführt. In dem konkreten Projekt wurde in einer flexiblen Verpackung für Waschmittel der bisher eingesetzte LDPE-Neuwarenkunststoff zu großen Teilen durch APK-LDPE-Regranulate ersetzt. Das Regenerat wird von Mondi bei der Coextrusion der PE-Folie eingesetzt und mit der bedruckten PET-Folie zu einem Duplex-Verbund kaschiert ohne dabei das äußere Erscheinungsbild des Beutels zu verändern. Das Gemeinschaftsprojekt unterstreiche die Machbarkeit der mehrfachen Wiederverwertung flexibler Verpackungen in einer echten Kreislaufwirtschaft, die wertvolle Ressourcen schone und Abfall vermeide, ohne die Leistungsfähigkeit der Produkte einzuschränken.

Mehr recyceltes Material

Im Rahmen seiner Nachhaltigkeitsstrategie setzt Henkel bereits Regranulate ein. Von Pattex bis Perwoll - in den Verpackungen ist schon heute recyceltes Material in unterschiedlichen Anteilen enthalten. So bestehen etwa die Flasche und die Auftragsdüse des Pattex „Made at Home“-Allesklebers aus 100 % recyceltem Material. Im Unternehmensbereich Beauty Care werden die Shampoo-Flaschen der Haarpflegeserie Syoss zu 25 % aus recyceltem Kunststoff hergestellt, das einen 80 % niedrigeren ökologischen Fußabdruck als vergleichbare Neuware hat. Ein weiteres Beispiel sind die Flaschen der neuen Waschmittelmarke Lovables, die aus 100 % recyceltem Plastik bestehen.

Naturmaterialien statt Erdöl

Das Kölner Start-up Papacks stellt Verpackungen aus Altpapier und Naturfasern wie Nutzhanf her. Das Material kann zu 100 % wiederverwertet werden, ist recycelbar und kompostierbar. Gemeinsam mit der österreichischen Goerner Group als Partner entstehen im Faserguss-Verfahren individuell zugeschnittene Formteile in vielen Variationen, darunter Wrap-Verpackungen, Trays, Faltschachteln, Displays, Inlays und Versandverpackungen. Im Bereich Transport und Logistik wird Faserguss zu Transport-Trays verarbeitet und ersetzt expandiertes oder extruiertes Polystyrol (EPS/XPS) und Styropor. Neben der unterschiedlichen Gestaltung der Oberflächen, ermöglicht der umweltfreundliche Werkstoff maßgeschneiderte Materialqualitäten.  Er kann mit Feuchteschutz und Wasserresistenz ausgestattet werden, ist fettabweisend, feuerfest sowie lebensmittelecht für den direkten Kontakt mit Lebensmitteln.

Kompostierbare Etiketten

Etikettenhersteller Etiket Schiller bietet jetzt biologisch abbaubare Etiketten aus nachwachsenden Rohstoffen an. Das Etikettenmaterial und der Klebstoff tragen gemäß der EU-Verordnung EN 13432 das „OK Compost“-Zertifikat. Das weiße oder transparente Obermaterial der kompostierbaren Etiketten besteht aus Zellulose (Holzpulps) aus kontrollierten Pflanzungen. Für den direkten Lebensmittelkontakt werden ein nach der europäischen Lebensmittelrichtlinie zugelassener Klebstoff sowie migrationsarme Farben eingesetzt.

Frische Box für den Onlineversand

Das Bremer Verpackungsunternehmen J.N. Lüning hat seit diesem Jahr Kühlverpackungen aus Zellstoff für den Onlineversand im Angebot. Das patentierte Verpackungssystem „Frische Box“ sei eine für den Frische- und Tiefkühl-Bereich geeignete ökologische Alternative zur Styroporbox. Sie wird flach angeliefert und kann nach Gebrauch im Altpapier entsorgt werden. Entwickelt wurden bisher drei Alternativen: die „Frische Pads“, die „Hard Box“ und die „Frische Tasche“. Alle drei haben eine Isolierung aus 32 Lagen 9 µ dünner Zellstoffschichten. Umhüllt wird der Füllstoff durch einen Airlaid Vlies (9 g/m2), damit direkter Lebensmittelkontakt und die Möglichkeit für einen kundenindividuellen Druck gewährleistet werden kann. Durch die besondere Struktur des Zellstoffes bilden sich zwischen den einzelnen Lagen Luftpolster, die gute Isoliereigenschaften haben und auch eine Temperatur von -18°C über 48 Stunden halten.

Meeresfreundliche Verpackung

Laut einer aktuellen Studie der Friends of Glass-Community halten drei von vier Europäer Glas für die meeresfreundlichste Verpackung. Für 72 % sei der Schutz der Meere mittlerweile ein wichtiger Aspekt ihres Lebensstils – angefangen bei der Auswahl von Produkten und deren Verpackung beim Einkauf. Hinter Friends of Glass steht der Europäische Verband der Behälterglasindustrie (FEVE). Im Rahmen des Consumer Barometers, einer europaweiten Social-Media-Umfrage unter europäischen Verbrauchern aus 12 Ländern, hatte man über im April 2018 knapp 6300 Personen zu ihrer Haltung zu verschiedenen Verpackungsmaterialien befragt.

Einweg-Plastikhalme verbannt

Die Rewe Group will als erster deutscher Einzelhändler in den Märkten von Rewe, Penny und toom Baumarkt flächendeckend auf den Verkauf von Plastikhalmen verzichten. Plastikhalme gehören zu den Artikeln, die weltweit am häufigsten als Müll an Stränden angeschwemmt werden. Über 42 Mio. Einweg-Plastikhalme sollen pro Jahr eingespart werden. Ab Frühjahr 2019 will der Konzern dann Alternativen aus FSC/PEFC zertifiziertem Papier, Weizengras oder Edelstahl anbieten. Die nachhaltige Gestaltung von Verpackungen hat die Rewe Group in einer übergreifenden Strategie verankert. "Wir arbeiten intensiv daran, überflüssige Verpackungen abzuschaffen, Verpackungen zu reduzieren oder umweltfreundlicher zu gestalten. Doch da jedes Produkt andere Anforderungen an die Verpackung stellt, müssen wir uns jeden Artikel einzeln ansehen", sagt Dirk Heim, Bereichsleiter Bio & Nachhaltigkeit Ware. Das Ziel: 100 % umweltfreundlichere Eigenmarkenverpackungen bis zum Jahr 2030.

Selbstverpflichtung verkündet

Auch Kaufland sagt Plastik den Kampf an. Im Verbund der Schwarz Gruppe, zu der das Unternehmen neben Lidl gehört, wurde eine umfassende 360 Grad Plastikstrategie gestartet. Darin sind Plastikvermeidung, Verbesserung von Recyclingfähigkeit und das Vorantreiben von nachhaltigen Verpackungen definiert. In diesem Rahmen wird Kaufland in allen Ländern bis 2025 den Kunststoffverbrauch um mindestens 20 % reduzieren, zu 100 % die Recyclingfähigkeit der Kunststoffverpackungen für Eigenmarken sicherstellen sowie bis Ende 2019 gezielt ausgewählte Kunststoff-Artikel auslisten. Bereits heute werden etwa bei Bio-Bananen anstelle von Folienbeuteln Papp-Banderolen verwendet. „Allein damit sparen wir pro Jahr ca. 32 Tonnen Verpackung", erklärt Frank Hirnschal, Vorstand Einkauf bei Kaufland.

Acht Jahre Nachhaltigkeitsplan

Zum vierten Mal in Folge verkündet Unilever jetzt starkes Wachstum derjenigen Marken, die Nachhaltigkeit in ihrem Kern tragen. Diese so genannten "Sustainable Living Brands" seien 46 % schneller als andere Marken gewachsen und waren für 70 % des Umsatzwachstums verantwortlich. Insgesamt sei man auf dem Weg, gut 80 % der 2010 im Nachhaltigkeitsplan gesetzten Ziele zu erfüllen. Das Unternehmen hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2020 das Gewicht der Kunststoffverpackungen um ein Drittel zu reduzieren und spätestens ab 2025 100 % wiederverwendbare, recycelbare oder kompostierbare Verpackungen sowie einen Recyclinganteil von 25 % in Kunststoffverpackungen einzusetzen.

Galerie

Redigiert von Doris Bünnagel

nach oben drucken RSS-Feed